Ein Kursbericht zum Trail-Day von Tanja Ammon (Pfinzgauranch):

Am Morgen klingelt um 06.30 Uhr der Wecker – glaube ich. Ich quäle mich schlaftrunken aus dem Bett, tappe ins Bad und setze meine Kontaktlinsen ein. Irgendwann schaue ich auf die Uhr. *schluck* *umfällt* 05.40 Uhr… *mrpf* Der sonst beste Ehemann von allen hat den Wecker falsch gestellt! So richtig finde ich nicht mehr in den Schlaf und bin so tagsüber immer mal wieder etwas müde.

Um 08.00 Uhr verladen wir dann Joe und Willi. Es geht zum Martinshof nach Jöhlingen, wo heute der Trail-Day mit Steffi Barth stattfindet. Die Jungs beziehen zwei nebeneinander liegende mit Stroh eingestreute Boxen und mampfen gleich ihr Heu.

Der Kurs beginnt mit einer kurzen Vorstellung und Theorie: was sind die Grundbedürfnisse des Pferdes (Sicherheit, Komfort, soziale Bedürfnisse und Nahrung), wie können wir das durch Trail- bzw. Parcoursarbeit unterstützen (kein Druck, kleine Schritte, Annäherung und Rückzug, einen Plan und Focus haben), was sind die Vorteile, was bringt es uns (bessere Beziehung zum Pferd, Vertauen, Timing/Gefühl/Koordination verbessern)? Die praktische Kursarbeit beginnen wir in 2er-Gruppen. Laura und ich sind als dritte Gruppe dran. In der Halle sind viele schöne Hindernisse aufgebaut: Podest, Wippe, Engpaß, Bälle-Bad, Stangen-Mix, Plane, Flatterbandtor, Pool-Nudel-Irrgarten, Tonnen-Sprung, Wassergraben, Schirm, Spielball, Hullahupp-Reifen und Knisterdecke. Die Pferde sollen in der ersten Einheit erst einmal „ankommen“, sich alles in Ruhe anschauen, beschnuffeln und erkunden. Es gibt kein Muß, nur Kann.

Willi ist in der ersten Einheit äußerlich zwar – ganz kaltblutmäßig – sehr ruhig, aber ich merke ihm an, die unsicher er innerlich doch ist. Er hat leichte Sorgenfalten um die Augen und die Atmung geht etwas deutlicher. Ausgestattet ist er mit einem gut sitzenden Knotenhalfer, das ich von Steffi überprüfen lasse, ich habe einen Natural-Horseman-Stick dabei. Ich gebe ihm viel Zeit an allen Hindernissen, lasse ihn diese in Ruhe inspizieren, lobe viel, mache Angebote und frage nur immer sachte mit dem Stick nach, ob er sich doch vielleicht entschließen könnte, auf das Podest zu klettern, über die Plane oder durch das Flatterbandtor zu gehen oder den Engpaß zu passieren. In den Wassergraben klettert er jedenfalls sofort hinein.

In der zweiten Einheit nach dem Mittagessen, die wir sodann zu viert absolvieren, ist er schon deutlich ruhiger. Zwar immer noch entfernt von wirklicher innerem Gleichgewicht, aber auch Steffi merkt an, daß er im Gesicht losgelassener dreinschaut. Ich habe mir Unterstützung bei der Stangenarbeit gewünscht. Ich möchte Willi zeigen, wie er seine Hufe gezielter setzen kann und nicht immer an den Stangen anschlägt. Steffi legt uns hierzu eine lange, massive Sprungstange in den Hallensand. Der Schwarze soll davor stehenbleiben, zuerst nur einen Vorderhuf darüber setzen, stehenbleiben und diesen dann wieder zurücksetzen. Das gleiche folgt dann mit den Hinterbeinen. Tatsächlich kann mein braves Schwarztier nach dieser Übung das Stangen-Mikado sehr viel gezielter durchqueren und schafft es sogar ohne ein „Klong“ an den Stangen.

Vor der dritten Einheit macht sich meine Müdigkeit wieder bemerkbar. Aber auch ansonsten fordert mich der Kurs doch ziemlich. So bekomme ich in der dritten Einheit auch kaum etwas von meinen anderen drei Teilnehmern mit, die sich mit uns in der Halle befinden. Willi ist jetzt nochmals ruhiger und hat öfters einen wachen, aufmerksamen und interessierten Blick. Wie schön! Genau das habe ich mir gewünscht. Ich kann ihn sogar über die Tonnen springen lassen, er trabt aufmerksam durchs Bälle-Bad, das Flatterbandtor, den Engpaß oder über die Plane. Nachdem er dann nochmals durch den Wassergraben gestiefelt ist und ich ihn mit der Knisterplane eingedeckt habe, beschließe ich, daß das alles nun so gut war, daß wir aufhören. So stehen wir noch ein wenig in der Reithalle herum und beobachten die anderen.

Mir hat der Kurs sehr, sehr gut gefallen. Er hat mir gezeigt, wie fein Willi zwischenzeitlich ist, wie ich ihn motivieren kann, wie ihm die Sachen auch Spaß machen und woran wir noch arbeiten können. Steffi stand uns immer wieder mit Rat und Tat zur Seite, gab gute Tipps und brachte viele Ideen ein. Fazit: gerne wieder!

Diesen und weitere interessante Berichte könnt Ihr auf Tanjas Seite lesen: https://www.pfinzgauranch.de/news-1/der-stall-blog-2018/september-2018/